Die Wirkung von Boulevardisierung auf die Wahrnehmung und Informationsverarbeitung von Nachrichten im Netz

Die Untersuchung von Boulevardisierung – im Sinne einer verstärkten Sichtbarkeit von sogenannten soft news (inhaltliche Dimension) und einer unterhaltsamen Aufbereitung von Nachrichten (stilistische Dimension) – ist schon lange fester Bestandteil der politischen Kommunikationsforschung. Aus normativer Sicht wird Boulevardisierung kontrovers diskutiert: Kritiker befürchten, dass das demokratietheoretische Idealbild des „wohlinformierten Bürgers“ durch eine zunehmende Unterhaltungsorientierung in Gefahr gerät. Befürworter hingegen heben den vereinfachten Zugang zu Nachrichten durch eine stärkere Unterhaltungsorientierung hervor. Empirische Belege sowohl für die Gefahren als auch die Chancen boulevardesker Medieninhalte finden sich bisher jedoch nur vereinzelt.

Die Frage nach den Effekten der Boulevardisierung stellt sich angesichts der zunehmend digital geprägten und konvergenten Nachrichtenproduktion und -nutzung umso dringender: Angesichts der unüberschaubaren Menge an Nachrichten (Informationsflut) ist es für Journalisten noch schwieriger, aber gleichzeitig noch wichtiger, die Aufmerksamkeit der Nutzer – gerade auch in Form von „Klicks“ – zu erlangen. Zudem verschwimmt die Nachrichtennutzung im medienkonvergenten Zeitalter mit privater Kommunikation und Unterhaltungsnutzung.

Vor dem Hintergrund dieser durch die Digitalisierung und Medienkonvergenz getriebenen Entwicklungen untersucht die Arbeit die Wirkung einer boulevardesken Aufbereitung von Nachrichtenteasern im Netz. Sie will klären, wie eine verstärkt boulevardeske Anteaserung von Nachrichtenbeiträgen deren Selektion und Rezeption, die Wahrnehmung des Themas und die Erinnerung an bestimmte Informationen aus den Beiträgen beeinflussen. Methodisch umgesetzt werden soll dies mithilfe mehrerer Experimente, die verschiedene Einflussfaktoren (z. B. Informationsumgebung, Nutzungsmotive, Thema des Beitrags) in den Blick nehmen.

Projektmitarbeiterin:
Miriam Steiner M.A.