Oft scheint es so, dass die demokratische Mitte, kaum mehr hörbar in politischen Debatten ist. Denn die Debattenkultur im Netz wird hauptsächlich von denjenigen bestimmt, die am lautesten schreien. Damit werden Diskussionen oft als aggressiv, verletzend und nicht selten hasserfüllt empfunden. Seit Wochen versucht zudem die Kampagne „Stop Hate for Profit“, Unternehmen zu überzeugen, ihre Werbegelder von Facebook abzuziehen. Der Werbeboykott soll die Plattformen zu entschlossenerem Handeln im Kampf gegen Hasskommentare und Desinformation drängen. Wieder einmal verstärkt sich der Druck auf Facebook.

In ihrem Gutachten „Are Algorithms a Threat to Democracy?“ stellen Birgit Stark und Daniel Stegmann auf einer sehr breiten empirischen Basis einen fundierten Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu den negativen Auswirkungen von Intermediären auf den öffentlichen Diskurs bereit. Phänomene wie Echokammern, Inzivilität und Desinformation in der politischen Online-Kommunikation werden beleuchtet. Dabei sind nicht nur Ursachen und Wirkungen ein Thema, sondern auch Ausmaß und Relevanz der untersuchten Gefahren.

Während die pauschalen Effekte von Filterblasen in der öffentlichen Debatte meist überschätzt werden, entstehen hauptsächlich indirekte Gefahren für Meinungsbildungsprozesse, indem Algorithmen in Online-Diskursen beispielsweise Extrempositionen prominenter erscheinen lassen und diesen in der Debatte damit unverhältnismäßig viel Raum geben – häufig verknüpft mit einer Zunahme von Inzivilität und Hassrede in politischen Auseinandersetzungen. Denn ihre algorithmenbasierten Logiken befördern vor allem emotionale Inhalte und belohnen das Polarisierende.

Die Regulierung von Intermediären ist eine der dringendsten medienpolitischen Aufgaben, was sich in einer Reihe von Initiativen auf europäischer und nationaler Ebene widerspiegelt, die nach Wegen suchen, um digitale Plattformen effektiv zur Rechenschaft ziehen zu können. Sowohl das kommunikationswissenschaftliche als auch das juristische Gutachten, die beide am Mainzer Medieninstitut entstanden und von AlgorithmWatch in Zusammenarbeit mit dem European Policy Centre veröffentlicht worden sind, kommen zu dem Schluss, dass Transparenz die zentrale Grundlage darstellt, auf der eine wirksame Regulierung aufbauen muss. Dazu gehört unter anderem der verbesserte Zugang zu technischen Schnittstellen und Informationen für die Nutzer, nach welchen Kriterien bestimmte Inhalte angezeigt werden.